Geschichtliches

Der Akt ist ein klassisches Motiv in der bildenden Kunst; bereits die frühen Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Kreta, Indien unter anderem) kennen Aktdarstellungen. Die Entwicklung lässt sich weiter verfolgen über die griechische Plastik, mit Einschränkungen auch durch die Kunst des Mittelalters bis in die europäische Kunst der Neuzeit. Seit der Renaissance gehört das Studium des menschlichen Körpers zur Ausbildung an Kunstakademien.

Die extrem langen Belichtungszeiten in den ersten Jahren der Fotografie, in der Regel zwischen 10 bis 30 Minuten, machten Fotografien von Menschen zu einem schwierigen, wenn nicht gar unmöglichen Unterfangen. Erst die Entwicklung lichtempfindlicherer Platten und verbesserter Objektive ermöglichte Portraitaufnahmen allgemein und Akte im Besonderen. Die ersten Daguerreotypien mit erotischen Darstellungen dürften etwa um 1845 bei Pariser Händlern aufgetaucht sein. Sie waren Unikate und wurden häufig entsprechend dem Zeitgeschmack handkoloriert.

Zu den ersten Aktfotografen zählen beispielsweise Philippe Derussy, E. Delacroix, Eugène Durieu und B. Braquehais. Meistens zogen die Fotografen jedoch die Anonymität vor, ihre Arbeiten wurden „unterm Ladentisch“ gehandelt, um nicht ins Visier von Polizei und Justiz zu geraten. Wer trotzdem „erwischt“ wurde, wie der Pariser Fotograf Felix-Jaques-Antoine Moulin, musste mit empfindlichen Geld- und Gefängnisstrafen rechnen. Ihre Modelle fanden sie bei für Maler und Akademien arbeitenden Professionellen, den Tänzerinnen der Varietés oder auch bei den Prostituierten.

Künstlerische Aktfotografien waren vor 1860 eher selten. Um den Wünschen ihrer Kunden zu entsprechen, stellten die Fotografen meistens „pikante“, oft auch ziemlich „deftige“ Aktbilder her, die jedoch den Unwillen der Moral- und Gesetzeshüter erregten. In den 1920er Jahren erschlossen reformistische, freiheitliche Bewegungen in Deutschland, die sich schon vor dem Ersten Weltkrieg bemerkbar gemacht hatten, auch der Aktfotografie neue Themenfelder. Neue Motive fanden Fotografen wie Gerhard Riebicke in der Freikörperkultur, die ebenso wie der Schönheits- und Ausdruckstanz mit einem neuen Körpergefühl und einem anderen Umgang mit Nacktheit experimentierte. Der gesellschaftliche Dissens zu Fragen von Sitte und Moral war damit aber nicht aufgelöst. Entsprechend zwiespältig war die Rolle der Aktfotografie im Nationalsozialismus. Die Nazis duldeten nur solche Arbeiten, die, wie solche von Leni Riefenstahl, ihrem ideologischen Rassenwahn dienstbar gemacht werden konnten und ihren Vorstellungen von „Volkshygiene“ nicht zuwider liefen.

Quelle: wikipedia